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Warum der Quotenkurs stark fällt - und die Bedeutung für die "Jahresendrally"
Der THG-Quotenpreis für 2026 ist spürbar gesunken. Welche Rolle HVO, der Rheinpegel und die Kraftstoffmärkte spielen – und was Flottenbetreiber jetzt beachten sollten.
Der Marktpreis für THG-Quoten des Verpflichtungsjahres 2026 ist seit Ende August um rund 20 % gefallen: von bis zu 530 €/t CO2 auf aktuell 425 €/t. Für Ladestrom entspricht das am Markt rund 160 statt 200 €/MWh (Marktniveau, nicht Auszahlungsbetrag).
Das ist ein deutlicher Rückgang, aber vor allem das Ende eines Ausnahmezustands. Vor gut einem Jahr wurden 2025er-Quoten noch bei rund 160 €/t gehandelt – bis sie im Rahmen der RED III bis zum Jahresende sprunghaft angestiegen sind. Dieser Beitrag erklärt die Gründe in einfachen Worten – und was sie für offene Mengen 2026 und Verträge für 2027 bedeuten.
So entsteht der Quotenpreis – einfach erklärt
Mineralölkonzerne müssen die CO2-Emissionen ihrer Kraftstoffe 2026 um 12 % senken. Biokraftstoffe wie HVO beimischen oder THG-Quoten aus E-Mobilität kaufen sind zwei Wege, diese Reduktion herbeizuführen.
Deshalb ist die Quote ungefähr so viel wert wie die Alternative HVO. Ist HVO knapp oder schwer zu liefern, kommt ein Aufschlag dazu.
Ein Bild dazu: Streikt die Bahn, zahlt man fast jeden Taxipreis. Ist das Streikende in Sicht und werden Bahntickets auch noch billiger, sinkt der Taxipreis. Die Quote ist das Taxi, HVO die Bahn – und der Rhein war in diesem Herbst der Streik.
Vier Gründe für den Rückgang
- Die Alternative HVO ist günstiger geworden: Der Großhandelspreis für Diesel stieg Mitte September auf Rekordwerte um 220 $/Barrel (IEA). HVO-Preise zogen kaum mit, der Aufpreis gegenüber Diesel schrumpfte. Seit Ende September fallen auch die HVO-Preise selbst.
- Der Rhein-Aufschlag schmilzt: Am Pegel Kaub stand das Wasser am 1. Oktober bei minus 6 cm, so tief wie nie seit 1880. Biokraftstoffe kamen kaum per Schiff an, die Quote war oft die einzige Lösung. Seit Prognosen eine Entspannung erwarten lassen, senken Verkäufer ihre Preisforderungen.
- Weniger Absatz, weniger Pflicht: Diesel kostete Mitte September an der Tankstelle bis zu 2,47 €/l. Wer weniger Kraftstoff verkauft, muss weniger CO2 einsparen. Der Tankrabatt vom 1. Oktober bis 31. Dezember sorgt zusätzlich für Unsicherheit. Steigt der Absatz, sorgt das für eine Erhöhung der Pflicht - doch ob es dazu kommt, ist noch offen.
- Viele Käufer sind eingedeckt: Im vierten Quartal kennen die Verpflichteten ihren Restbedarf genau und warten auf günstigere Kurse. Der Handel verlagert sich zunehmend auf 2027.
Was das für Flotten und Ladepunktbetreiber bedeutet
- Bereits zum Festpreis vermarktet: Der Rückgang ändert daran nichts. Der vereinbarte Preis gilt.
- Offene Mengen 2026: Die Frist beim Umweltbundesamt endet am 15. November 2026. Ob jetzt fixieren oder abwarten, hängt vor allem am Rhein: Bleibt der Pegel niedrig, kann der Preis wieder anziehen. Entspannt sich die Lage bei weiter teurem Diesel, ist zusätzlicher Druck möglich.
- Verträge für 2027: Mitte Oktober wurden 2027er-Quoten bei 410–425 €/t gehandelt, also fast auf dem heutigen Niveau von 2026. Die gesetzliche Quote steigt 2027 auf 17,5 %. Gleichzeitig dürfen Übererfüllungen aus Vorjahren wieder angerechnet werden, erwartet werden mehr als 10 Mio. t.
- Fix oder flexibel: Ein Festpreis bringt Planungssicherheit. Ein flexibles oder indexbasiertes Modell beteiligt an der Marktentwicklung – nach oben wie nach unten.
THG Pro arbeitet zu 100 % back-to-back: Jede Kundenmenge wird beim Verpflichteten angefragt, reserviert und nach Zuschlag beidseitig fest zugesagt. Spekulative Positionen halten wir nicht.
Ausblick: Worauf wir in den nächsten Wochen achten
- Rheinpegel: Die Entspannung ist bisher nur eine Erwartung. Am 18. Oktober lag Kaub bei 10 cm, der angekündigte Regen bringt nur einen leichten Anstieg.
- Diesel und HVO: Die IEA erwartet einen knappen Dieselmarkt bis ins zweite Halbjahr 2027. Bleibt Diesel teuer, bleibt der HVO-Aufpreis klein – das begrenzt den Quotenpreis nach oben.
- Stromwert des Umweltbundesamts: Der Emissionswert für Ladestrom 2027 wird in den kommenden Wochen festgelegt. Er bestimmt, wie viele Tonnen CO2 pro MWh eingespart werden.
- Jahresendnachfrage: Verpflichtete mit Restbedarf müssen bis zum Jahresende kaufen. Das kann den Markt kurzfristig stützen.
- Hohe Mineralölpreise = höherer E-Auto-Absatz = mehr Ladestrom: Für eine weitere Absenkung des Kurses kann ein Überangebot an Ladestrom-THG-Quoten sorgen. Ladepunktbetreiber schätzen häufig quartalsweise oder jährlich ihre Strommenge, die sie für die THG-Quote geltend machen können. Doch ein stärkerer Absatz von E-Autos kann dazu führen, dass mehr Ladestrom benötigt wird. Dieses mögliche Überangebot kann den Quotenkurs drücken.
Fazit
Der Quotenpreis fällt, weil die Alternative HVO günstiger geworden ist und der Rhein-Engpass weniger dramatisch eingeschätzt wird. An der Bedeutung der THG-Quote ändert das nichts: 2027 steigt die gesetzliche Minderungspflicht auf 17,5 %.
