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THG-Quotenentwicklung: Marktausblick mit neuem Spritpreisdeckel und logistischen Hürden durch Rheinpegel
Wie wirken sich sinkende Spritpreise durch staatliche Entlastungen, historisch niedrige Rheinpegel bei Biokraftstoffen und das aktuelle Einkaufsverhalten der Mineralölkonzerne auf die THG-Quote aus? Eine Markteinschätzung.
In den vergangenen Wochen zeigte sich am Markt für Treibhausgasminderungsquoten (THG-Quote) eine bemerkenswerte Dynamik: Nach den Höchstständen im Spätsommer gaben die Quotenerlöse zuletzt um etwa fünf bis sechs Prozent nach. Für Fuhrparkbetreiber und Ladepunktverantwortliche stellt sich daher die Frage, welche Faktoren die Nachfrage in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen werden.
Marktmechanismus: Kraftstoffpreise und Erfüllungsdruck
Grundsätzlich folgt der Markt für THG-Zertifikate einer klaren Logik: Sinken die Kraftstoffpreise an den Tankstellen – etwa getrieben durch staatliche Entlastungsmaßnahmen wie Steuersenkungen auf Kraftstoffe (Tankrabatt) oder Marktbewegungen bei Rohöl –, steigt tendenziell der Absatz fossiler Kraftstoffe spürbar an. Mehr in Verkehr gebrachte Mengen an Diesel und Benzin erhöhen unmittelbar die gesetzliche Verpflichtung der Mineralölkonzerne, Treibhausgasemissionen durch Minderungszertifikate auszugleichen.
Treiber der Nachfrage
- Kraftstoffpreisentwicklung: Günstigere Abgabepreise – ausgelöst unter anderem durch steuerliche Entlastungen und verändertes Konsumverhalten – beleben den Kraftstoffabsatz und vergrößern den rechnerischen Minderungsbedarf der Quotenschuldner.
- Engpässe bei alternativen Biokraftstoffen: Niedrige Rheinpegel behindern den Schiffstransport anderer CO2-Minderungsoptionen, was Ausweichbedarfe erzeugt.
- Fahrleistung im Güterverkehr: Steigende Transportbedarfe über die Straße erfordern entsprechende Mengen an fossilen Energieträgern.
Dämpfende Faktoren
- Verhaltene Einkaufspolitik: Trotz steigender Bedarfe agieren viele Mineralölkonzerne derzeit abwartend und sichern Quoten nur bedarfsorientiert ab.
- Kurzfristiges Abwarten: Trotz strukturellen Bedarfs agieren einige Einkäufer derzeit taktisch zurückhaltend und hoffen auf Entspannung an den Beschaffungsmärkten.
Logistischer Preisdruck: Niedrigwasser auf dem Rhein
Die anhaltend niedrigen Pegelstände auf wesentlichen Wasserstraßen wie dem Rhein wirken sich direkt auf das Erfüllungsgefüge der Mineralölkonzerne aus. Viele herkömmliche CO2-Reduktionsprodukte, insbesondere flüssige Biokraftstoffe zur Beimischung, sind maßgeblich auf den Schifffahrtsweg angewiesen. Sinken die Pegelstände an neuralgischen Punkten drastisch ab, können Tankschiffe oft nur noch einen Bruchteil ihrer regulären Kapazität laden. Erhebliche Kleinwasserzuschläge verteuern die Frachten zusätzlich, während Ausweichtransporte per Schiene oder Straße kaum kurzfristig in ausreichendem Maße verfügbar sind.
Diese Verknappung und Verteuerung physischer Beimischkomponenten erhöht den Druck auf die Quotenverpflichteten, ihre Minderungsverpflichtungen über alternative Pfade - allen voran Zertifikate aus erneuerbarem Ladestrom - abzusichern. Der logistische Engpass auf den Wasserstraßen wirkt damit als preistreibender Faktor für den Zertifikatemarkt, auch wenn kurzfristige Einkaufsentscheidungen einzelner Akteure diesen Effekt aktuell noch überlagern.
Ausblick für Fuhrparkmanager
Trotz des jüngsten Kursrückgangs bleibt der strukturelle Bedarf an THG-Quoten. Sollte sich der Kraftstoffabsatz in den kommenden Wochen weiter auf erhöhtem Niveau stabilisieren, dürfte der Erfüllungsdruck auf die Mineralölkonzerne zum Jahresende hin wieder etwas anziehen. Gleichzeitig kann ein volles Quotenportfolio bei den Verpflichteten zum Jahresende auch dafür sorgen, dass die Nachfrage weiter sinkt - und damit der Preis. Flottenbetreiber sollten die Kursentwicklungen aufmerksam verfolgen und Vermarktungsentscheidungen flexibel an die Dynamik des vierten Quartals anpassen.
Weiterhin zählt, dass insbesondere größere Mengen 100% back2back abgesichert werden sollten. Extrem hohe Prämien könnten eine Spekulation als Grundlage haben. Ob sie finanziell abgesichert sind, ist dann die andere Frage.
