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Fragwürdige Methoden am THG-Markt: Worauf Fuhrparks achten sollten
Vorsicht vor Lockangeboten: Wie manche Dienstleister bei Multiplikatoren, Steuern und Laufzeiten tricksen – und woran Sie faire THG-Vermarktung erkennen.
Lockangebote bei der THG-Quote: Worauf Fuhrparks jetzt achten müssen
Der THG-Quotenmarkt ist dynamisch – und zieht leider auch Vermarktungsmodelle an, die zwar formell nicht zwingend verboten sind, aber an der Grenze zur Irreführung liegen. Für Unternehmen und Flottenmanager zahlt sich hier ein genauer Blick aus: Werden unrealistische Versprechen gemacht, steht am Ende oft nicht der erhoffte Ertrag, sondern vertragliche Bindung und Frust. Nachhaltiges, faires Wirtschaften und echte Transparenz sollten bei der Partnerwahl an erster Stelle stehen.
Im Folgenden beleuchten wir fünf typische Methoden, mit denen Angebote künstlich geschönt werden – und wie Sie diese im Kleingedruckten entlarven.
1. Das Spiel mit dem Mehrfachanrechnungs-Faktor
Ein Angebot wirbt beispielsweise für das Quotenjahr 2027 mit 192,50 Euro pro MWh. Bei genauerer Betrachtung entspräche dies über 550 Euro pro Tonne CO2 – ein Preis, den quotenverpflichtete Mineralölunternehmen niemals zahlen würden, da dieser Betrag sich nicht rechnen würde.
Die Masche dahinter: Für normale Pkw (Klasse M1 mit 3-facher Anrechnung) wird fälschlicherweise der höhere Multiplikator von schweren Nutzfahrzeugen oder Bussen (Klassen M3 bzw. N3 mit 4-facher Anrechnung) herangezogen. Für den Flottenbetreiber bedeutet dies: Statt der versprochenen 192,50 Euro pro MWh erhält man faktisch lediglich 144,37 Euro pro MWh.
2. Schönrechnen über den Emissionsfaktor (EF-Wert)
Auch die Annahmen über den offiziellen Emissionsfaktor des deutschen Strommixes eignen sich für rechnerische Kunststücke. Wird für künftige Quotenjahre hypothetisch mit einem unrealistisch niedrigen Emissionsfaktor von beispielsweise EF = 90 gerechnet, lassen sich problemlos rechnerische Prämien von 200 Euro/MWh (ca. 400 Euro pro Fahrzeug) darstellen.
Aktuell liegt der Wert jedoch im Bereich von 113 bis 119 und steht für die kommenden Jahre offiziell noch gar nicht fest. Ein solch niedriger Wert ist für den Zeitraum 2027–2028 völlig unrealistisch. Korrigiert sich der Wert, schrumpft auch die tatsächliche Auszahlung massiv.
3. Das Spiel mit Brutto- und Nettobeträgen
Im gewerblichen Fuhrparkmanagement wird branchenüblich in Nettopreisen kalkuliert. Manche Anbieter nutzen dies gezielt aus, indem sie in der Erstkommunikation und auf Landingpages Bruttopreise inklusive 19 % Mehrwertsteuer anpreisen, ohne dies klar hervorzuheben. Für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen bleibt am Ende jedoch nur der Nettobetrag – die Prämie fällt somit real deutlich geringer aus als suggeriert.
4. Intransparente Mehrjahresverträge und Mischkalkulationen
Besondere Vorsicht ist bei Angeboten geboten, die sich über zwei oder mehr Jahre erstrecken. Hier begegnen Flottenverantwortlichen meist zwei Varianten:
- Extremes Gefälle zwischen den Jahren: Für das erste Jahr (z. B. 2026) wird ein über dem Marktniveau liegender Betrag versprochen (z. B. 410 Euro pro Pkw), während das Folgejahr 2027 auf einen Bruchteil zusammengestrichen wird (z. B. 150 Euro pro Pkw). Betrachtet man beide Jahre in Summe, liegt der Gesamtertrag oft weit unter dem, was eine marktgerechte Vermarktung eingebracht hätte.
- Versteckte Zweijahresbindung: Am Telefon wird eine hohe Jahresprämie hervorgehoben, während sich die automatische Bindung für das Folgejahr erst tief im Kleingedruckten des Vertrags findet.
5. Riskante Spekulation auf dem Quotenmarkt
Besonders heikel sind Modelle, bei denen Dienstleister die Quoten nicht zeitnah am Markt absichern, sondern ungehedgt auf künftige Preissteigerungen spekulieren. Steigen die Kurse, geht die Rechnung kurzfristig auf. Fallen die Marktpreise hingegen ab, geraten intransparente Anbieter schnell in Schieflage – und die Auszahlung der Flottenerträge ist akut gefährdet.
Fazit: Partnerschaft auf Augenhöhe statt Lockvogelangebote
Die tatsächliche Wahrheit steht immer im finalen Vertragswerk. Prüfen Sie das Kleingedruckte daher genau:
- Welche Fahrzeugklasse und welcher Multiplikator wurden zugrunde gelegt?
- Handelt es sich um gesicherte Netto-Beträge?
- Besteht eine langfristige Knebelbindung für Folgejahre?
- Werden Quoten seriös abgesichert oder spekulativ verwaltet?
Ein verlässlicher Partner im Fuhrparkmanagement zeichnet sich nicht durch Blendgranaten aus, sondern durch transparente Abrechnung, marktgerechte Konditionen und nachhaltige, langfristige Wertschöpfung für Ihr Unternehmen.
